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26 September 2019

Viel Lärm für nichts

Der Strassenverkehr ist in unserem Land die Hauptursache von Lärmemissionen. 2017 wurde ein nationaler Massnahmenplan zur Bekämpfung von Lärm verabschiedet. Der Kanton Freiburg und die Gemeinden ergreifen Massnahmen, indem sie ihre Strassen mit lärmarmen Belägen ausstatten. Überdies wird auch eine Geschwindigkeitsreduktion in Erwägung gezogen.

Am 24. April 2019 wurde in der Schweiz ein Tag gegen den Lärm durchgeführt. Die Organisatoren wollten «darauf aufmerksam machen, dass bei Lärmemissionen von Motorfahrzeugen auch das eigene Fahrverhalten entscheidend ist. Unnötiges Beschleunigen in kleinen Gängen sowie ein hochtouriger und immer an der Tempo-Limite orientierter Fahrstil – das ist in der Regel sehr laut. Das Vergnügen an einem lauten Auftritt einer Einzelperson wird so über das Ruhebedürfnis von vielen gestellt. Auch im städtischen Raum leiden viele Bewohnerinnen und Bewohner unter unnötigem Fahrzeugpark, da nutzen dann auch die positiven Eigenschaften von lärmarmen Strassenbelägen nichts mehr.»
Der Bundesrat hat im Juni 2019 einen "Nationalen Massnahmenplan zur Bekämpfung von Lärm" verabschiedet. Die Bundesverwaltung stellt darin fest, dass «die grösste Lärmquelle in der Schweiz der Strassenverkehr ist. Zudem beeinträchtigt auch der Lärm von Eisenbahnen, des Flugverkehrs, von Alltagssituationen und Freizeitaktivitäten das Wohlbefinden der Bevölkerung. Bund, Kantone und Gemeinden agieren gemeinsam, um den Lärm zu bekämpfen. In unserem Kanton koordiniert das Amt für Umwelt die Lärmschutzmassnahmen. Das Verlegen von lärmarmen Belägen ist eine der wichtigsten Massnahmen, um die Lärmemissionen zu reduzieren. Eine Studie des Bundesamtes für Umwelt hat gezeigt, dass die effektivsten lärmarmen Beläge zu einer Reduzierung des Strassenlärms führen, die einer Verkehrsreduzierung von 85% entspricht. Parallel dazu haben die Reifenhersteller ebenfalls leise Reifen entwickelt, auch wenn der Markt offenbar noch nicht wirklich auf dieses neue Angebot reagiert hat.
Heute wird auch die Einführung von Massnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion in Erwägung gezogen, da es offensichtlich ist, dass sich diese positiv auf die Lärmminderung auswirken können. Der Kanton Freiburg führt derzeit eine Testphase durch. Er stellt den Versuch auf seiner Website vor: «Die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf bestimmten Strassenabschnitten
– oft in Ergänzung zu anderen Massnahmen – ist eine mögliche Lösung und überzeugt immer mehr Schweizer Städte. Diese Massnahme ist nämlich nicht nur wirksam bei der Bekämpfung des Strassenlärms, sondern verbessert auch die Verkehrssicherheit und hilft dabei, die verschiedenen Ansprüche (Verkehr, Siedlung, Einwohnerinnen und Einwohner) in Einklang zu bringen. Der Staat Freiburg startet deshalb zusammen mit den Gemeinden Neyruz und Vaulruz ein entsprechendes Pilotprojekt. In diesem Rahmen wird die Höchstgeschwindigkeit auf zwei Kantonsstrassenabschnitten während mindestens eines Jahres von 50 km/h auf 30 km/h herabgesetzt. Auch werden regelmässig Lärmmessungen durchgeführt werden, um die Wirksamkeit der Massnahme beurteilen zu können.»
Die Stadt Lausanne ist noch weiter gegangen, indem sie vor kurzem beschlossen hatte, von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens beinahe das ganze Stadtzentrum in eine Tempo-30-Zone zu verwandeln. Falls diese Massnahme auf keinen Widerstand stösst, wird sie in der ersten Hälfte 2020 umgesetzt.

«Diese drastische Massnahme ist das Resultat eines äusserst positiven Fazits des Pilotversuches, in dessen Rahmen auf zwei Abschnitten der Lausanner Innenstadt (Avenue Vinet und Avenue Beaulieu) die Geschwindigkeit während der Nacht auf 30 km/h gesenkt wurde. In dieser Testphase haben die überhöhten Geschwindigkeiten beträchtlich abgenommen und die sehr hohen Geräuschpegel konnten um 80% reduziert werden. Die Anwohner waren begeistert (zu 86% zufrieden), von den Verkehrsteilnehmern hiessen 64% die Massnahme gut», war in der Zeitung Le Temps zu lesen (30.08.2019).

Leise Reifen

Pierre Varenne, Direktor von Michelin Recherche et Technique SA, erklärt, dass die Reifenhersteller ebenfalls leisere Reifen entwickelt haben. «Die Reduzierung der Reifengeräusche wurde bereits in der Vergangenheit weitgehend vorangetrieben, und das verbleibende Potenzial ist begrenzt. Auf europäischer Ebene und in der Schweiz wurde ein Reifenlabel eingeführt, das seit August 2014 obligatorisch ist. Es umfasst 3 Kriterien: Energieverbrauch, Sicherheit und Lärmklasse. Der Lärm wird durch Schallwellen (von eins bis drei) angegeben und in Dezibel (dB) quantifiziert. Reifen der leisesten Kategorie mit einer einzigen Schallwelle sind drei Dezibel leiser als Reifen mit zwei Schallwellen, was einem halbierten Verkehrsaufkommen entspricht.» Obwohl diese Reifen nicht teurer sind als die anderen, stellt Pierre Varenne fest, dass sich deren Verkaufszahlen nicht signifikant entwickelt haben.

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